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Stahlkolosse
 

Der Tiger kam für eine Wende zugungsten der Wehrmacht zu spät

Das Jahrzehnt vor Kriegsbeginn hat die deutsche Wehrmacht und Rüstungsindustrie bestimmt nicht verschlafen. Für einen erfolg-reichen Polen- und Frankreichfeldzug reichte es. Dem russischen T-34 hatten die deutschen Panzer aber lange nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Von Oliver Richter

Kampfpanzer können die Infanterie weder ersetzen, noch ihren Kampfwert erhöhen, da ihre Leistungsfähigkeit im Gefecht sehr herabgemindert wird. So hieß es noch in den 1920er-Jahren in einer französischen Vorschrift. Die Alliierten maßen der Entwicklung von Panzern und der Kriegsführung mit ihnen nach dem Ersten Weltkrieg lange Zeit keine Bedeutung und Aufmerksamkeit bei.

Panzerentwicklung

Anders die Lageeinschätzung in Deutschland. Der Reichswehr war nach 1919 der Besitz von Panzern verboten. Mit der Unterzeichnung des Vertrages von Rapallo erhielt das Deutsche Reich die Möglichkeit, in der Sowjetunion Panzer zu erproben. Die Rote Armee stellte Gelände, Material und Hilfskräfte für ein geheimes Ausbildungszentrum, die Panzertruppenschule in Kasan am Fluss Kama. Dort übten deutsche Offiziere aus der Kraftfahrtruppe auf den russischen Panzertypen „MS I" und „MS II". Im August 1933 fand der letzte Panzerkurs in Kasan statt.

Panzer II & I
Panzer II, im Hintergrund ein Panzer I. Beide Modelle wurden nach 1940 zur Belastung für die Truppe.

Gleichzeitig hatte man im Deutschen Reich mit Panzerattrappen die motorisierte Kriegsführung geübt. Bereits im April 1927 war die 2. Kompanie/Kraftfahrabteilung 6 in Hannover als erste Einheit der Reichswehr mit motorisierten Attrappen ausgerüstet worden. 1928 wurden hierzu taktische Lehrgänge in Berlin-Moabit durchgeführt. Lehrer für Panzertaktik war dort ein gewisser Major Heinz Guderian. Er hatte früh erkannt, dass Panzer nur in der Bindung an die Infanterie die ihnen zustehende Bedeutung erlangen würden. Panzer würden zwar immer auf die Hilfe anderer Waffengattungen angewiesen sein, doch sollten sie stets „die erste Geige spielen" und die „anderen Waffen … in Bezug auf Geschwindigkeit und Geländegängigkeit mit ihnen auf gleiche Höhe gebracht" werden. Deshalb durfte man die Panzer nicht „in Infanterie-Divisionen stecken, sondern musste Panzer-Divisionen errichten, in denen alle Waffen waren, deren die Panzer zum wirkungsvollen Kampf bedurften."

Die Panzerdivision sollte nach der damaligen Meinung über leichte und mittlere Panzer verfügen. Jede Abteilung wiederum sollte aus drei leichten und einer schweren Kompanie bestehen. Beim Angriff sollten die leichten Kompanien den Sturmlauf übernehmen, während die schwere Kompanie Rückhalt zu geben und die großen Ziele auszuschalten hatte. Die Entwicklungsbemühungen führten von 1934 bis 1938 zu den so genannten Panzerkampfwagen I
und II.

Während des Spanischen Bürgerkrieges wurde die Entwicklung der Panzer im Deutschen Reich beschleunigt. Bereits im April 1937 hatte man die drei deutschen Panzerdivisionen zum XVI. Armeekorps zusammengefasst und damit zum ersten Mal ein mechanisiertes Korps für strategische Operationen geschaffen. Im Jahr 1938 entstanden die 4. und 5. Panzerdivision und vier leichte Divisionen, die bei genügender Panzeranzahl jederzeit in Panzerdivisionen umgewandelt werden konnten. 1938 bestand die deutsche Panzertruppe aus 23567 Mann im Feldheer und 11022 Mann im Ersatzheer. Mit der Besetzung des Protektorates Böhmen und Mähren erfolgte die Übernahme von 300 tschechischen Panzer P-35 (t) und einem einzigen P-38 (t), die beide mit einer 3,7-cm-Kanone ausgestattet waren. Erprobungen mit dem P-38 (t) zeigten die Überlegenheit zu den Panzern I und II. Bis September 1939 wurden rund 100 Fahrzeuge hergestellt. Sie bildeten den Grundstock für die 7. und 8. Panzerdivision, die im Oktober 1939 aus der 2. und 3. leichten Division hervorgehen sollten.

Panzer im Polenfeldzug

Zu Beginn des Polenfeldzuges verfügte die deutsche Panzertruppe über fünf Panzerdivisionen und die Panzerbrigade „Sonderverband Kempf". Hinzu kamen zwei motorisierte Großverbände der ab 1940 offiziell so genannten Waffen-SS. Insgesamt standen mit etwa 2400 Panzern drei Viertel der Panzer für den Angriff auf Polen bereit. Die Masse stellten jedoch Panzer I und Panzer II. Die Produktion der wichtigen Panzer III und IV war in Verzug geraten. Daneben fehlte es der Panzertruppe anfangs auch an einer ausreichenden Anzahl motorisierter Begleitfahrzeuge und Schützenpanzerwagen. Nur 68 Halbkettenfahrzeuge (SdKfz 251) kamen während des Feldzuges zum Einsatz.

Der Erfolg gegen Polen war vor allem der guten Funkausstattung in den Panzerverbänden und der Zusammenarbeit mit der Luftwaffe zuzuschreiben. Sie ermöglichte es, die Entscheidung in der Tiefe des Raumes zu suchen. Die Taktik der Panzertruppe basierte zu dieser Zeit mehr auf Schnelligkeit, denn auf Feuerkraft. Allerdings waren in den drei Wochen des Feldzuges auch Mängel zutage getreten. Die Panzertruppe war dann siegreich, wenn sie den Gegner nach Reitermanier überraschend angreifen und so Durchbrüche in die Tiefe ausdehnen konnte. Die ihr zugedachte Hauptaufgabe aber, den Durchbruch durch eine befestigte Front, konnte sie nicht erfüllen. So verlor der „Sonderverband Kempf" bei dem Versuch, die polnische Bunkerlinie bei Mlawa (100 Kilometer nördlich von Warschau) zu durchbrechen, in nur drei Tagen 39 Panzer, 7 davon waren Totalverluste. Die Panzerung wurde selbst von den kleineren Panzerbüchsen durchschlagen. Hinzu kamen relativ hohe Ausfälle durch technischen Verschleiß und Mängel bei der kriegsmäßigen Instandsetzung. Insgesamt verlor die deutsche Panzertruppe im Polenfeldzug 800 Panzerkampfwagen. 217 davon waren Totalausfälle (89 Panzer I, 83 Panzer II, 26 Panzer III, 19 Panzer IV).

Aus Polen nahm man die Forderung nach einer höheren Zahl von Panzern mit Kanonen mit. Die Serienproduktion der Panzer III und IV (bis Kriegsende 5560 Panzer III und 9000 Panzer IV) begann. Doch war der monatliche Ausstoß zu gering, um die Panzerverbände aufzufüllen und die geplanten vier neuen Panzerdivisionen mit diesen Fahrzeugen auszustatten. Mit der Umbildung umfasste die Panzertruppe nun zehn Divisionen. Die Abteilungen der Panzerregimenter besaßen drei beziehungsweise vier Kompanien, wovon eine mit dem Panzer IV ausgestattet war. Die Sollausstattung jeder Kompanie betrug 22 Panzer. Im Frühjahr 1940 befanden sich rund 600 Panzer III und IV und 143 Panzer P-35 (t) sowie 238 P-38 (t) im Bestand. Bei einem Gesamtumfang von 3300 Fahrzeugen waren somit etwa ein Drittel der Fahrzeuge mit einer Kanone bewaffnet. Weiterhin wurde die Ausstattung der motorisierten Infanterie mit Schützenpanzerwagen vorangetrieben. Die ersten Artillerie-Selbstfahrlafetten und Sturmgeschütze zur Unterstützung der Infanterie traten in Erscheinung. An der Besetzung Dänemarks und Norwegens nahmen rund 100 Panzer teil. Die Erfahrungen im schlechten Gelände wurden ausgewertet.

Blitzkrieg im Westen

Am Westfeldzug nahmen zehn Panzerdivisionen mit 2574 Panzern, davon 349 Panzer III, 278 Panzer IV und 450 Panzer P-35 (t) und P-38 (t) teil. Sieben der zehn Panzerdivisionen waren in der Heeresgruppe A zusammengefasst worden. Mit einem massiertem Panzereinsatz sollten sie den schnellen Durchbruch zur Kanalküste erzwingen und die alliierten Armeen teilen. Die 9. Panzerdivision hingegen war in Richtung Holland in Marsch gesetzt worden, während die 3. und 4. Panzerdivision den Schutz der rechten Flanke im Großraum Belgien übernehmen sollten. Im Eiltempo durchstießen die Panzerverbände der Heeresgruppe A die alliierten Divisionen. Bereits am 20./21. Mai erreichten die Spitzen der 2. Panzerdivision die Kanalküste. Mit der Evakuierung der alliierten Truppen aus dem Raum Dünkirchen war die erste Phase des Feldzuges beendet.

Am 5. Juni 1940 begann die zweite Phase. In Zusammenarbeit mit der Infanterie überwanden die Panzerverbände die französische „Weygand-Linie" und stießen in breiter Front nach Süden vor. Innerhalb von 20 Tagen wurden die Kämpfe auch hier erfolgreich beendet. Wiederum hatten die Panzer einen entscheidenden Anteil am Erfolg. Die deutsche Panzertruppe war den 3354 alliierten Panzerkräften zahlenmäßig unterlegen gewesen, doch entschieden andere Faktoren den Feldzug. Die schwächeren deutschen Panzer waren siegreich, weil sie hier erneut die Blitzkriegsstrategie anwandten. Die 7. Panzerdivision des Generalmajor Rommel überwand an einem Tag 300 Kilometer. Derweil hatten sich die Alliierten des Vorteils der Geschwindigkeit beraubt, indem sie ihre Panzerverbände dem Tempo der Infanterie anpassten.

Die Auswertung des Frankreichfeldzuges zeigte, dass Panzerung, Bewaffnung und mechanische Zuverlässigkeit der deutschen Panzer zu wünschen übrig ließ. Die Panzertruppe hatte 35 Prozent ihrer Fahrzeuge eingebüßt. Die Panzerung der Panzer III und IV verstärkte man auf 60 Millimeter. Laufwerksverstärkungen sollten den Einsatzradius vergrößern, der Einbau einer stärkeren Kanone (5 cm) für den Panzer III dessen Kampfkraft (Durchschlagsleistung von 37 Millimeter Panzerstahl auf 1000 Meter) erhöhen. Parallel dazu wurden auch neue Hartkerngranaten für die 3,7-cm-und die 5-cm-Kanone und Hohlladungsgranaten für die 7,5 cm-Kanone (Durchschlagsleistung 70 Millimeter Panzerstahl auf 500 Meter) eingeführt. Damit hoffte man, für das Jahr 1941 gerüstet zu sein.

Vorgesehen war auch die Aufstellung weiterer Panzerdivisionen. Dem stand aber der begrenzte Ausstoß neuer Panzerkampfwagen entgegen. 1940 waren nur 895 Panzer III und 280 Panzer IV hergestellt worden. Dies reichte aber nicht aus, um die neuen Verbände auszustatten. Um die Anzahl der Panzerdivisionen verdoppeln zu können, wurde daher die Sollstärke der Panzer in den Verbänden verringert. Eine Panzerdivision hatte jetzt nur noch ein Panzerregiment, bestehend aus zwei oder drei Abteilungen.

Seit Frühjahr 1941 befanden sich auch wenige Panzer in Nordafrika. Hier wurde vor allem ihre Beweglichkeit genutzt.

Unternehmen Barbarossa

Kampfwagen) waren für das „Unternehmen Barbarossa" vorgesehen. Bei der Heeresgruppe Süd befand sich die Panzergruppe 1 (von Kleist) mit rund 750 Kampfwagen. Bei der Heeresgruppe Mitte standen die Panzergruppe 2 (Guderian) mit rund 930 Panzern und die Panzergruppe 3 (Hoth) mit 840 Panzern. Der Heeresgruppe Nord war die Panzergruppe 4 (Hoe-pner) mit 570 Panzerkampfwagen zugeteilt. Diese Streitmacht setze sich zusammen aus 180 Panzer I, 746 Panzer II, 965 Panzer III und 439 Panzer IV. Die große Masse bildeten die Panzer P-38 (t) und mindestens 155 Panzer P-35 (t). Hinzu kamen noch 250 Sturmgeschütze und eine größere Anzahl von Panzerbefehlswagen. Bei der 18. Panzerdivision befanden sich einige Tauchpanzer vom Typ Panzer III, die 1940 für das Landeunternehmen in Großbritannien vorgesehen waren und nun am Fluss Bug zum Einsatz kommen sollten.

Panzer III
Panzer III

Über die Anzahl der sowjetischen Panzerkräfte gab es keine gesicherten Erkenntnisse. Dennoch war Hitler überzeugt, die Rote Armee in einem schnellen Feldzug niederringen zu können. Als die deutschen Verbände am 22. Juni 1941 die wirre Masse der sowjetischen Truppen unmittelbar an der Grenze durchstießen und in die Weite des russischen Raumes vordrangen, waren sie überrascht, wie viele Panzer ihnen tatsächlich gegenüberstanden. Es handelte sich um über 24000 Panzerkampfwagen. Nach
sowjetischen Quellen sollten zwischen 1930 und 1941 33000 gepanzerte Fahrzeuge hergestellt worden sein. Darunter befanden sich 1861 moderne sowjetische Kampfwagen vom Typ T-34 und KW I und II („dicker Bello" genannt), die wegen ihrer Robustheit und Feuerkraft von den deutschen Truppen sehr gefürchtet waren. Dennoch gelang es der Wehrmacht im Sommer 1941, über 13000 Panzer zu vernichten.

Dass die deutschen Panzer gegen eine solche Übermacht überhaupt bestehen konnten, war allein der Gliederung, Organisation und Effizienz der Panzerwaffe, ihrer Ausstattung mit Funk (die Sowjets führten über Sichtkontakt), dem Zusammenwirken mit der Luftwaffe und den anderen Heeresverbänden und der Erfahrung zu verdanken. Der Widerstand der Roten Armee führte aber zu Verlustzahlen der deutschen Panzerwaffe von bis zu 45 Prozent. Vor allem die russische 7,62-cm-Feldkanone („Ratsch-Bumm") fügte den deutschen Panzerverbänden empfindliche Verluste bei. Sie schoss einen Panzer III noch auf etwa 2000 Meter ab. Um diese Strecke zu überwinden, benötigte der Panzer im Gelände rund vier Minuten, ein Zeitraum, in dem eine gut eingespielte russische Besatzung um die 40 Schuss abgeben konnte. Für die größte Aufregung aber sorgte der russische Panzer T-34, der allen deutschen Panzerkampfwagen in Panzerung und Bewaffnung überlegen war. Die meisten deutschen Pak-Geschütze des Jahres 1941 und der Panzer III mit der 5 cm-Kanone konnten die Panzerung des T-34 erst unter 100 Meter durchschießen. Die Ausfallzahlen stiegen. Die Nachführung neuer Panzer aus der Heimat wurde aber ebenso wenig zugebilligt, wie die Zuführung dringend benötigter Panzermotoren, da man sie für die Aufstellung neuer Panzerdivisionen zurückhielt. So weitete sich die Zuführung von Ersatzteilen und damit die Instandsetzung von Schadpanzern zu einem generellen Problem aus.

Bis Oktober 1941 waren die deutschen Truppen fast 1000 Kilometer in die Sowjetunion vorgestoßen. Die Rote Armee war trotz mehrerer großer Kesselschlachten noch nicht geschlagen. Immer neue Regimenter wurden aufgestellt und immer neue Panzer produziert. Die ersten amerikanischen Hilfslieferungen trafen ein, die die russischen Verluste ausglichen. Auf deutscher Seite dagegen wurde die Panzerung verstärkt, um die Verluste zu minimieren. Noch sollte dies funktionieren. Im Winter 1941 waren bei den Heeresgruppen Nord und Mitte ganze 405 Panzer einsatzbereit. Insgesamt verlor das deutsche Ostheer ein Drittel seiner Fahrzeuge. Die gesamte Ostfront konnte nur mühsam gehalten werden. Für das kommende Frühjahr wurden neue Offensiven geplant. Ziel war es, den Gegner zwischen Donez und Don mit allen zur Verfügung stehenden Panzerkräften zu vernichten, um dann die Ölgebiete im kaukasischen Raum zu gewinnen.

Zwischenzeitlich wurden die Panzerdivisionen aufgefüllt und mit dem Panzer IV mit einer 7,5-cm-Langrohrkanone ausgestattet. Dieser erste in Großserie gebaute Panzer sollte die entscheidende Wende bringen. Nach der Niederlage bei Stalingrad drängte die russische Winteroffensive die deutschen Truppen derart weit zurück, dass ein Großteil der im Sommer 1942 eroberten Gebiete wieder verloren ging.

T-26
Der T-26 ging bereits Anfang der 1930er-Jahre in Produktion.

Die deutsche Rüstungsindustrie hatte derweil mit Erfolg an neuen Panzertypen gearbeitet. So erschienen im August 1942 die ersten acht Exemplare des neuen Panzers VI „Tiger I" bei der Heeresgruppe Nord vor Leningrad. Er war als Antwort auf den russischen T-34 konstruiert worden und besaß eine 8,8-cm-Kampfwagenkanone (8,8 cm L/56). Insgesamt 1343 „Tiger I" wurden gebaut. Vor allem seine geringe Geschwindigkeit von nur 15 Kilometer pro Stunde im Gelände führte aber bei einer wachsenden Luftüberlegenheit der Alliierten zu steigenden Verlusten. Ein weiteres Problem war der hohe Spritverbrauch von 900 Litern auf 100 Kilometer. Dennoch sollte der in Rekordzeit entwickelte „Tiger" schnell zum gefürchtetsten Panzer des Krieges werden. Er brachte der deutschen Panzertruppe auf dem Gefechtsfeld eine wesentliche Entlastung. Mit seiner Kampfwagenkanone konnte er die Panzerung des russischen T-34 auf 1500 Meter durchschlagen. Ein amerikanischer Sherman-Panzer soll sogar auf eine Entfernung von 2700 Meter abgeschossen worden sein.

Ab 1943 wurde auch der Panzer V „Panther" mit einer 7,5-cm-Kanone (7,5 cm L/70) ausgeliefert. Bis Kriegsende sollten 5966 Exemplare hergestellt werden. Außerdem erhielt die Panzertruppe nun monatlich 100 Sturmgeschütze. Die Fahrzeugausstattung in den Panzerverbänden gestaltete sich sehr uneinheitlich und reichte vom Panzer II über den Panther bis hin zum erbeuteten T-34 und zum Sturmgeschütz, was sich vor allem in der Munitions- und Ersatzteilzuführung sehr nachteilig auswirken sollte. Vor allem aber das Sturmgeschütz, das im Vergleich zum Panzer einfacher und billiger zu produzieren war, sollte sich in den Jahren des Abwehrkampfes zu einer unabdingbaren Panzerabwehrwaffe entwickeln, was die deutlich höheren Abschusszahlen zeigten. Daher stiegen dessen Produktionszahlen stetig. Im Juli 1943 setzte die Wehrmacht noch einmal alles auf eine Karte, um die Initiative an der Ostfront wiederzuerlangen. Zwischen Orel und Charkow sollte mit massierten Panzerkräften ein Frontbogen begradigt werden, um dann die sowjetischen Reserven bei Kursk zu zerschlagen. An der größten Panzerschlacht des Zweiten Weltkrieges, dem Unternehmen „Zitadelle", waren auf deutscher Seite 17 Panzerdivisionen, 2 Panzergrenadierdivisionen und 9 Sturmgeschützabteilungen aufmarschiert. Rund 2700 Panzer und Sturmgeschütze, darunter auch 200 Panther, 129 Tiger I und 90 Panzerjäger Elefant waren für den Einsatz vorgesehen. Ihnen gegenüber standen etwa 3300 sowjetische Kampf-wagen.

Am 5. Juli begann die deutsche Offensive. Zum ersten Mal wurde hier das neue Angriffsverfahren, die „Panzerglocke" (davor die „Stahlkern-Taktik"), angewendet, bei dem die Tiger I in der Mitte der Formation fuhren. In einem nach hinten und nach beiden Seiten erweiterten Bogen (der Glocke) folgten die Panzer III. Hinter dem Zentrum hielt man leichtere Panzerfahrzeuge bereit, um eventuelle gegnerische Einbrüche abzuriegeln. Höhepunkt der heftigen Kämpfe im Kursker Bogen war die Panzerschlacht von Prochorowka. Hier stießen auf einem Geländeabschnitt von etwa sechs Kilometern fast 1400 Panzer aufeinander: 500 deutsche und 850 sowjetische.

Trotz aller Bemühungen konnten jedoch die deutschen Truppen keinen Durchbruch erzwingen. Als die Rote Armee dann am 13. Juli eine Gegenoffensive begann, entschied Hitler gegen den Vorschlag des Generalfeldmarschalls von Manstein die Einstellung des deutschen Angriffs. Sowjetische Quellen zeigen, dass die militärische Gesamtlage nicht so eindeutig gewesen war, wie Hitler es vermutete. Fest stand nur, dass die Truppe bei Prochorowka viele Panzer verloren hatte, dass aber die sowjetischen Verluste um ein vielfaches höher waren.

Hitlers Entscheidung überließ der Gegenseite nun endgültig die Initiative. Am Ende des „Unternehmens Zitadelle" beliefen sich die deutschen Verluste auf etwa 1500 Panzer und Sturmgeschütze. Verluste, die für die Panzertruppe äußerst schwer wogen. Die russische Seite hatte zwar fast dreimal so viele Panzer eingebüßt, doch konnten die Verluste hier aufgrund der amerikanischen Hilfslieferungen relativ schnell ausgeglichen werden. Die Rote Armee hatte zu diesem Zeitpunkt rund 13000 Fahrzeuge im Bestand, während die Wehrmacht an allen Fronten etwa 5500 Panzer besaß.

Trotz einer Steigerung der Jahresproduktion auf rund 12000 Panzer und Sturmgeschütze im Jahre 1943 konnte die Panzertruppe keine derartigen Unternehmungen mehr durchführen, zumal eine erhöhte Panzerproduktion eine verminderte Ersatzteilfertigung bedingte. Daher führten Bergungs- und Instandsetzungsprobleme schon bei geringsten Schäden zu Totalausfällen. An der Ostfront waren zeitweise von über 3000 Panzern nur rund 300 einsatzbereit.

Strategische Verteidigung

Verteidigung. Tragendes Element der Absetzbewegungen wurde die Panzerwaffe, die alleine noch wirkungsvolle Gegenangriffe führen konnte. Damit änderte sich die Aufgabe der Truppe grundlegend. Statt einer offensiven, von der Infanterie unabhängigen Vorgehensweise war nun die Defensive in engem Schulterschluss mit der Infanterie getreten.

Während die Alliierten auf das italienische Festland übersetzten, bluteten die deutschen Panzerdivisionen in den Winterkämpfen in der Ukraine zur Jahreswende 1943/44 aus. Ersatz blieb aus, da ein Großteil der deutschen Produktion zur Abwehr einer alliierten Landung in den Westen ging. Nach dem 6. Juni 1944 dezimierte die alliierte Luftüberlegenheit die Verbände im Westen.

Derweil drängte die sowjetische Offensive vom 22. Juni 1944 die deutschen Truppen im Osten weit zurück. Die Panzerregimenter mit über 170 Panzern bestanden zu dieser Zeit nur noch auf dem Papier. Oft waren in einer Division nur noch 50 Panzer einsatzbereit. Die Schaffung von 13 selbstständigen Panzerbrigaden (je 40 Panther) wurde mangels eigener Versorgungskomponente rasch wieder aufgegeben. Die deutsche Rüstungsindustrie trat der quantitativen Übermacht der Alliierten mit qualitativen Neuerungen entgegen. Unter den Neuentwicklungen waren der Panzerkampfwagen „Tiger II Königstiger" mit 8,8-cm-Kampfwagenkanone, der Jagdpanther (beide mit 8,8-cm-KWK L/ 71) und der „Jagdtiger" mit einer 12,8-cm-KWK L/55. Zweifellos war der Königstiger der modernste Kampfpanzer seiner Zeit. Der hohe Spritverbrauch von knapp 1000 Liter auf 100 Kilometer und eine hohe technische Anfälligkeit waren zwar nachteilig. Mit seiner Kanone und einer Frontpanzerung von bis zu 185 Millimetern war er aber nahezu allen gegnerischen Fahrzeugen überlegen. Die 477 Königstiger, 341 Jagdpanther und 74 Jagdtiger kamen aber zu spät, um den Kriegsverlauf noch beeinflussen zu können.

Nicht mehr verwirklicht werden sollten die Pläne von überschweren Panzern mit 100 Tonnen („E 100") oder gar 200 Tonnen („Maus"), von denen bei Kriegsende lediglich Prototypen existierten. Trotzdem gelang es der deutschen Industrie noch im Jahr 1944, die steigenden Verlustzahlen (8000 Fahrzeuge) durch eine gesteigerte Jahresproduktion von 9000 gepanzerten Fahrzeugen auszugleichen. Doch waren aufgrund der alliierten Luftüberlegenheit, der schlechten Wirtschaftslage und der Verwendung der Panzerwaffe als „Feuerwehr" an allen Brennpunkten immer höhere Ausfallzahlen zu verzeichnen, die kaum noch ausgeglichen werden konnten.


Ära Fazit von Oliver Richter

» Die Einsatzkonzeption der Panzertruppe hatte sich nach fast sechs Jahren Krieg grundlegend verändert. Aus dem Kampfmittel für raumgreifende Operationen war eine rein defensive Waffe geworden. Als die Kampfhandlungen am 8. Mai 1945 eingestellt wurden, lagen von rund 45000 produzierten Panzern, Sturmgeschützen und Selbstfahrlafetten tausende ausgebrannt auf den Schlachtfeldern. «

 

 

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